DER TOLLER

Woher kommt eigentlich der Toller?

Wer einmal einen Toller erlebt hat diesen rotfuchsigen Wirbelwind, der am Ufer tanzt und dabei so tut, als wäre das alles nur ein Spiel, der versteht sofort, warum diese Rasse so besonders ist. Aber mal ehrlich: Ich hatte am Anfang selbst keine Ahnung, wie alt und durchdacht die Geschichte hinter diesem Hund eigentlich ist. Deshalb möchte ich euch heute ein bisschen davon erzählen.

Alles beginnt mit einem Fuchs

Die Wurzeln des Tollers reichen weiter zurück, als die meisten denken. Schon im 17. Jahrhundert – der erste schriftliche Beleg stammt von 1672 – haben Jäger in Nordamerika beobachtet, wie Füchse am Ufer spielen und tanzen, bis die Enten vor lauter Neugier nahe ans Ufer schwimmen. Die indigenen Mi'kmaq in Nova Scotia haben das schon lange vor den europäischen Siedlern gewusst und ihre Hunde entsprechend trainiert.

Als dann die europäischen Einwanderer vor allem Briten und Franzosen im 18. Jahrhundert nach Nova Scotia kamen, brachten sie diese Idee mit in ihre eigene Hundezucht. Irgendwann zwischen diesen Einflüssen entstand das, was wir heute als Toller kennen.

Was viele nicht wissen: Der Toller war zwischenzeitlich vom Aussterben bedroht. Nach der offiziellen Anerkennung durch den Canadian Kennel Club (CKC) im Jahr 1945 – maßgeblich angestoßen durch einen Colonel Cyril Colwell, der die Rasse jahrelang hartnäckig beim CKC vorstellte – gab es bis Ende der 1950er Jahre praktisch keine weiteren Registrierungen. 1956 war der Bestand auf einem Tiefpunkt.

Alle Toller, die heute weltweit leben, gehen auf diese kleine Gruppe von Hunden zurück. Das ist einerseits faszinierend – andererseits erklärt es, warum Gesundheitsscreening in der Toller-Zucht heute so eine wichtige Rolle spielt. Der Genpool ist schlicht sehr klein.

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Herkunft

Yarmouth County, Nova Scotia

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CKC-Anerkennung

1945

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FCI-Anerkennung

30. November 1981

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Deutschland

Erster Wurf: 1996

Die Zeitleiste: von Nova Scotia in die Welt

1672

Erster schriftlicher Beleg für das Tolling von Wasservögeln durch Hunde in Nordamerika, dokumentiert von Nicholas Denys.

Frühes 19. Jh.

Gezielte Zucht des „Little River Duck Dog" im Yarmouth County beginnt. Erste regionale Verbreitung unter Jägern und Farmern.

1945

Offizielle Anerkennung durch den Canadian Kennel Club (CKC) – der Hund bekommt seinen heutigen Namen: Nova Scotia Duck Tolling Retriever.

1956

Bestandstief: die Rasse ist fast verschwunden. Nur eine Handvoll registrierter Hunde existiert – auf diese geht der gesamte heutige Weltbestand zurück.

30. November 1981

Die FCI erkennt den Toller offiziell an. Damit öffnet sich die Türe nach Europa.

1982 / 1984

Der Toller kommt nach Europa – zunächst durch Nete Wunsch (Zwingername Tueholt). Der erste europäische Wurf folgt 1984.

1996

Erster Wurf in Deutschland, eingetragen beim Deutschen Retriever Club (DRC e.V.).

2003

Anerkennung durch den American Kennel Club (AKC) – der Toller wird mit dem längsten Namen im AKC-Zuchtbuch geführt.

 

Wie der Toller nach Deutschland kam...

In Europa war es zunächst vor allem Skandinavien, das die Rasse aufnahm und weiterentwickelte. Nach der FCI-Anerkennung 1981 wurden die ersten Hunde importiert, der erste europäische Wurf fiel 1984. In Deutschland dauerte es noch etwas länger: Erst 1996 wurde der erste Wurf im Deutschen Retriever Club (DRC e.V.) eingetragen und seitdem wächst die Szene kontinuierlich, wenn auch langsam. Pro Jahr kommen in Deutschland etwa 100 Toller-Welpen zur Welt. Zum Vergleich: Beim Labrador sind es über 2.000.

Diese Seltenheit ist für mich kein Manko, sie ist Teil dessen, was diese Rasse so besonders macht. Wer einen Toller züchtet, übernimmt Verantwortung für ein Stück lebendige Zuchtgeschichte.

Was das für uns als Züchter bedeutet? 

Wer heute Toller züchtet egal ob in Kanada, Schweden oder Deutschland trägt diese Geschichte mit sich. Verpflichtend vorgeschriebene Gesundheitstests auf PRA (Progressive Retinaatrophie), HD (Hüftgelenksdysplasie) und weitere Erbkrankheiten sind keine Bürokratie, sondern eine direkte Konsequenz aus dem engen Genpool der Rasse. Im DRC ist das klar geregelt.

Für mich persönlich geht es aber noch um mehr: darum, den Wesenskern des Tollers zu erhalten. Diesen unverwechselbaren Mix aus Jagdtrieb, Spielfreude, Sensibilität und dieser tiefen Bindung ans Rudel. Das ist kein Zufall, das ist das Ergebnis von über 200 Jahren Zuchtarbeit.

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